Sonntag, 9. Juli 2017

NISCHENPROGRAMME

ARRABAL IN WIEN

Neunter Juni, neunzehn Uhr, Sargfabrik in der Goldschlagstraße, vierzehnter Wiener Gemeindebezirk, Vollmond. An einem Kaffeehaustisch im Foyer des Theaters saß Arrabal. Er sah müde aus. Nach dem morgendlichen Flug aus Paris und einem Nachmittag in Wien war das nicht weiter verwunderlich. Das Wiener Vorstadttheater gab ein Stück von ihm, Und sie legen den Blumen Handschellen an, eine dramatische Hommage an Frederico Garcia Lorca.

Arrabal ließ es sich nicht nehmen, bei diesem Ereignis persönlich anwesend zu sein. (Übrigens bedeutet 'arrabal‘ im Spanischen Vorstadt.) Dass es sich dabei um keinen von medialen Trommelwirbeln angekündigten Rampenlicht-Event handelte, störte ihn nicht. Im Gegenteil, gerade der Umstand, dass es sich um ein Bühnenexperiment drehte, dessen Darsteller Exilierte und Migranten waren, spiegelte seine künstlerische Intention wider.

An dieser Stelle wäre es angebracht, auf die Theaterproduktion näher einzugehen. Vorläufig nur soviel: Sie hätte größeres Interesse verdient als ihr zuteil wurde. Sie bezog eigentümliche Kraft aus der Sparsamkeit der eingesetzten Mittel, es war Sprechtheater im engsten Sinn: die unterschiedlichen Akzente der Darstellerinnen wirkten wie ein Parallel-Ensemble, das einem ganz eigenen Rhythmus folgte; jeder gesprochene Satz bahnte sich seinen unberechenbaren Weg aus der Kehlkopfgegend ins Offene… Dass die Premiere des Gefängnisstücks nur drei Tage nach der Verhaftung des türkischen Amnesty-Vorsitzenden Taner Kilic stattfand, verlieh ihr besondere Brisanz.

Aber ich möchte Spur halten und bei der Person Arrabal bleiben. Ihr war ich als junger Leser in den späten 1970er Jahren zum ersten Mal begegnet. Arrabals Texte mussten mir damals als Ausweg erschienen sein, als eine unter mehreren Notleuchten, die mir den Weg ins Freie wiesen.

Im Keller der Sargfabrik drängte sich mir das Bild von Arrabals labyrinthischem Gehsteig auf: der erratische Linienverlauf, den dieser so fragil wirkende Mann seit seiner Kindheit in den 1930er Jahren auf den Erdball gezeichnet hat, bevor er an diesem Vollmondabend die Goldschlagstraße entlang kam und die Treppen in den Keller der Sargfabrik hinunterstieg.

Vielleicht lässt sich diese Wegstrecke in schnellem Strich und ohne Anspruch auf Vollständigkeit nachzeichnen, um zuletzt auf einen kürzlich in Le Monde erschienenen Text von ihm zu kommen, der die Person Arrabal und ihre künstlerische Geste auf fast beiläufige Art auf den Punkt bringt.

*

Melilla, 1932 – Am elften August, einem Donnerstag, wurde Arrabal in der Festungsstadt an der nordafrikanischen Mittelmeerküste geboren. Heute kennen wir die Stadt als spanische Exklave und Symbol für die ,Festung Europa‘: die hohe Kunst der Umzäunung, raffinierte Technologie im Dienst der Menschenverachtung usw.. Von dort aus nahm 1936 der Spanische Bürgerkrieg seinen Ausgang.

Arrabals Vater war als Offizier der spanischen Armee in Melilla stationiert. Nachdem er die Teilnahme am Staatsstreich verweigert hatte, wurde er zum Tod verurteilt und in ein Gefängnis in Burgos verlegt. Unter mysteriösen Umständen soll ihm die Flucht gelungen sein. Seine Spur verlor sich. Die Familie erfuhr nie, wann und unter welchen Umständen er zu Tode gekommen war.

Rodrigo bei Salamanca und das Umland von Madrid waren Arrabals Kindheitslandschaften, bevor er 1947 für eine Weile nach Toulouse, später nach Valencia wechselte. Mit der Rückkehr des Zwanzigjährigen nach Madrid begann die schriftstellerische Laufbahn. Er schrieb mehrere Stücke, Le Toit (Das Dach), La Blessure incurable (Die unheilbare Wunde), später Fando et Lis und Pique-nique en campagne (Picknick im Felde), das einige Jahre später zu einem seiner großen Erfolg werden sollte.

Symptome einer TBC-Erkrankung machten sich bemerkbar: Monate der unfreiwilligen Ruhigstellung, des Lesens und der Träumerei. Wo die horizontale Fortbewegung auf Hindernisse stieß, setzten vertikale Bewegungsformen ein: Energieströme zwischen Erdkern und Atmosphäre, oder, wie man im katholischen Spanien gesagt hätte, zwischen Hölle und Himmel.

Bei einem Studienaufenthalt in Paris lernte er Luce Moreau kennen, seine Übersetzerin ins Französische, die ein paar Jahre später seine Ehefrau und die Mutter der beiden Kinder Lélia und Samuel werden sollte. Mit dem endgültigen Wechsel ins Pariser Exil setzte das Stakkato freundschaftlicher Begegnungen und befremdlicher Aktionen ein.

Er traf auf Samuel Beckett. (Es wird generell zuwenig Beckett gelesen.) Der kanadisch-französische Objektkünstler Jean Benoit machte ihn mit André Breton bekannt. Arrabal hatte inzwischen zwei Gedichtbände publiziert, Humbles Paradis (dts.: Insektengedichte) und La Pierre de la folie – darin gibt es ein merkwürdiges und programmatisches Bild:

Einem schlaflosen Geist begegnet jedes Mal, wenn ihm die Lider zufallen, ein Augenpaar, das ihn quasi von der Innenseite her anblickt. Es sind die Augen einer Sphinx in Löwengestalt, es ist die im Louvre befindliche Große Sphinx von Tanis. In ihrem einen Auge erscheint der Schriftzug PEUR/Angst, im anderen ESPOIR/Hoffnung. Kurz darauf wird die Sphinx ihre Augen schließen, die des schlaflosen Geistes sind noch weiter aufgerissen als zuvor: Angst und Hoffnung, diese Bremsbacken. Wenn es doch gelänge, sie beide mit einem Ruck abzuwerfen…

Arrabal wurde eingeladen, sich dem Kreis der Surrealisten bzw. dem, was davon übrig war, anzuschließen. In einem Gespräch mit Alain Schifres schilderte er das Unbehagen, das die Vorstellung, einer bereits bestehenden Gruppe beizutreten, in ihm ausgelöst hatte. In der No.4 der Zeitschrift La Brèche. Action surrealiste publizierte er Auszüge aus dem Stück La Communion solenelle (Die feierliche Kommunion). Zur selben Zeit entstand der autobiographische Roman Baal Babylone (1959), der die Vorlage für seinen ersten Spielfilm Viva la Muerte! werden sollte; darin schilderte er das Franco-Regime und dessen Auswirkungen auf das familiäre Umfeld aus der Perspektive eines Zwölfjährigen.

Während in Paris die ersten Stücke uraufgeführt wurden, reiste er durch die USA. In New York geriet er in das Umfeld der Dichter aus der Beat-Generation. In Paris warteten indessen zwei gleichermaßen exilierte und kongeniale Geister auf ihn, der aus Polen stammenden Autor und Zeichner Roland Topor und der ukrainisch-chilenische Regisseur Alejandro Jodorowsky. Gemeinsam gründeten sie das Mouvement Panique, ein Laboratorium für theatralische Grenzüberschreitungen: „Mein Theater ist antireligiös bis zum Mystizismus oder religiös bis zur Blasphemie.“

1967 kehrte Arrabal noch einmal nach Spanien zurück. Das war, wie sich bald herausstellen sollte, keine so gute Idee. Er wurde wegen "Blasphemie gegen das Regime" festgenommen. Samuel Beckett startete eine internationale Petition, die u. a. von François Mauriac, Eugène Ionesco, Henry Miller unterzeichnet wurde. Aus dieser Zeit stammt das Gefängnisstück dieses Abends.

Anfang der 1970er Jahre lernte Arrabal Pier Paolo Pasolini kennen und begann selbst Filme zu drehen: Viva la muerte! (1971); Ich werde laufen wie ein verrücktes Pferd (1973); Der Baum von Guernica (L‘arbre de Guernica, 1975)… – dieser Film erschien zeitgleich mit Pasolinis auf Sade basierendem Jahrhundertwerk Saló oder die 120 Tage von Sodom; neben diesem Film mussten freilich alle thematisch verwandten verblassen… – La traversée de la Pacifique (1982) mit Mickey Rooney und Le Cimetière des voitures (Der Autofriedhof, 1983) mit der früh verstorbenen Rock-Ikone Alain Bashung in der Hauptrolle; Adieu Babylone (1992), nicht zuletzt Una vida de poesia (1998) mit und über Jorge-Luis Borges

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Man kann sich dem Arrabal-Universum aus verschiedenen Richtungen nähern, über die Filme, die Inszenierungen der Stücke oder über die in den Theatertexten, Prosastücken und Gedichten versteckten Energiefelder. Ich persönlich neige zum Purismus der Worte, zur knappen, aussparenden Form. Der Abgrund zwischen zwei Textzeilen, die unüberwindliche Distanz zwischen Frage und Antwort im Dialog, das sind die Orte, an denen die Potenziale des alltäglichen Irrsinns am deutlichsten zutage treten. Der initiale Funke einer Ekstase kann mehr als ihre großzügigste szenische Ausformulierung. Es liegt in der Natur der erotischen Obsession, dass sie tiefer und weiter reicht als die Mittel ihrer Darstellung.

(Heute ist die pornographische Industrie für die szenische Inszenierung von Obsessionen zuständig. Sie betreibt ein Werk der Zerstörung. Jede existenzielle Erfahrung erscheint, bevor sie noch gemacht werden könnte, an ein bestehendes Konsumangebot gekoppelt. Jede Frage scheint beantwortet, bevor sie noch entfaltet werden kann. Was immer tiefer greifendes Interesse wecken könnte, wird in vorgefertigten Instant-Intensitäten erstickt. Damit erübrigen sich Denken und Träumen.)

In Arrabals Werk eintreten heißt, sich einem Karneval der Obsessionen anzuschließen. Hier überlagern sich Grausamkeit und Lachen, Jubel und Schmerzgeschrei sind nicht mehr klar zu unterscheiden. Sich auf ihn einzulassen, bedeutet ein temporäres Heraustreten aus der Alltagsvernunft. Das aus den Hohlräumen in seinen Texten hervorquellende häretische Wissen scheint gerade in antiseptischen Epochen wie der unseren wieder an Bedeutung zu gewinnen.

Die finsteren Zonen sind zu durchschreiten. Die abgründige Erfahrung ist im ganzen Ausmaß zu durchleben. Je weniger Angst oder Hoffnung bzw. Kalkül dabei mitspielen, desto besser. Die Treppen hinunter steigen – Katabase – Schichtung um Schichtung hinter sich lassen, um in das noch ferner liegende Areal vorzudringen. Womöglich findet sich ja dort das Rohmaterial, aus dem sich - sofern man es schafft, es zurück hinauf, in strahlendes Sonnenlicht zu hieven - die schönen Dinge herstellen lassen.

Hacedores ist eines der Zauberworte des verspielten Demiurgen, der die finstersten Elemente mit verblüffender Leichtigkeit in freundliche Lichtquellen verwandelt. Hacedores aus dem spanischen ,hacer‘ für machen, herstellen, schaffen… – im antiken Griechenland hatte man es ,poiesis‘ genannt.

(Mag sein, vielleicht ist es nur der Blick auf eine Welt von gestern. Aber es ist zugleich einer auf die perzeptiven und sozialen Werkzeuge, die man in dieser Epoche gefertigt hat und die einiges konnten…)

In den letzten Jahren hat sich Arrabal auf poetische Plastiken spezialisiert. Die in den Texten versteckten Energiekerne nehmen dreidimensionale Form an und gewinnen als Skulpturen, Figurinen, Raum greifende Gedichte oder „prekäre Konstruktionen“ (Léonore Chastagner) haptische Qualität. Zudem wirkt Arrabal als außerordentlicher Satrap im Collège de 'Pataphysique, der denkbar würdigsten real existierenden (para-)literarischen Vereinigung. Und er schreibt in diversen Magazinen wie z. B. La Règle du jeu.

Als 2016 der Literaturnobelpreis an Bob Dylan vergeben wurde, erschien in Le Monde ein kleiner, intensiver Text von Arrabal. Darin klang eine Zornrede an, letztlich blieb es aber bei einer sanften, aber entschlossenen Erinnerung, wo und unter welchen Bedingungen Kunst, Dichtkunst entsteht:

*

"In meinem ganzen Leben habe ich unglücklicherweise nur sehr wenige Dichter gekannt. Ich habe vor allem Schachspieler besucht. Die gewaltfreien Boxer, die sich Handschuhe aus Kaugummi überziehen.

… in meinem ganzen Leben habe ich keinen Dichter gekannt, der von seiner Feder leben hätte können. Mit Strichcodes.

… in meinem ganzen Leben habe ich keinen reichen oder aus begüterter Familie stammenden Dichter gekannt. Wie Roussel, Proust oder, zu seiner Zeit, Chateaubriand.

… in meinem ganzen Leben habe ich keinen Dichter gekannt, der auf einer Bestenliste hätte aufscheinen können. Weder auf der Liste der 'populärsten', noch der 'reichsten' oder 'berühmtesten' Personen. Auch auf der Liste der 'einflussreichsten' Personen erschienen Dichter, die ich gekannt habe, nicht. Dafür sah ich in fast jedem Jahr die Namen Ophrah Winfrey, Kim-Jong-un, George Clooney oder Lionel Messi.

… in meinem ganzen Leben habe ich keinen einzigen Dichter gekannt, der von einem Sekretär begleitet worden wäre. Die meisten hatten oder haben einen Mitarbeiter. Das heißt einen Freund. Einen Intimus, der ihnen freiwillig, auf Mutter-Teresa-Art weiterhilft.

… in meinem ganzen Leben habe ich keinen Dichter gekannt, der gezwungen gewesen wäre, sich zu schützen. Durch Exklusivität. Ausgeweitet auf weltweit gültiges Recht. Für alle und jede einzelne seiner Schriften. In allen Sprachen. Sogar in Volapük für Kanarienvögel. Als ich meinen letzten Film mit Borges (,Une vie de poésie‘) realisierte, wurde er spontan von jemanden gefragt: „Wie schützen Sie sich gegen Raubdrucke?“ – „Mich schützen? Es ist mir ein großes Vergnügen so völlig unverhofft hier oder dort publiziert zu werden…“

… in meinem ganzen Leben habe ich keinen einzigen Dichter gekannt, der es „bis hierher“ gehabt hätte, auf das „tausendunderste Interview“ zu antworten. Oder das Vorwort zu einem Werk zu verfassen. Oder Artikel zu schreiben. Oder auf Konferenzen zu sprechen. Die stummen Psychiater sind perfekt für Boa-Gebisse.

… in meinem ganzen Leben fristete der Großteil der Dichter, die zu kennen ich unverdient die Möglichkeit hatte oder die ich zu ihren Lebzeiten kannte, das Leben unter prekären Bedingungen. André Breton hat in Paris in einem winzigen Zwischenstock gehaust. Zwischen zwei Etagen. Er bewohnte keinen zweiten oder dritten Stock. Sondern eine Art Studio, das dazwischen eingebaut wurde. Wenn ich ihn getroffen habe, musste ich meinen Körper auf seinem Tisch unterbringen. Der nahm beinahe den gesamten Raum in Anspruch. Boulevard de Port-Royal. Alfred Jarry hat gleichermaßen ein Miniatur-Studio gekannt. Das seine. So ähnlich. Gleichermaßen zwischen einer zweiten und dritten Etage gelegen. Er hat es „Leidensweg zum Tod“ getauft.

… in meinem ganzen Leben habe ich ausschließlich Dichter gekannt, die keinerlei Problem mit 'Steuerparadiesen' gehabt haben. Die meisten starben überschuldet. Zu ihrer größten Ehre. Heute wissen wir (durch jüngere medizinische Studien), dass Alfred Jarry den Hungertod gestorben ist.

… in meinem ganzen Leben hat sich nicht ein einziger meiner Dichterfreunde über diese Situation beschwert. Unwürdig?

… mein ganzes Leben hindurch habe ich die besten unter ihnen ihre Tage unter dauernder Verfolgung durch Gerichtsvollzieher beenden gesehen. Oder bedrängt von mikroskopischen Einkünften. Dank dieser (oder trotz dieser) Einkünfte hat Alfred Jarry die ,Heldentaten und Lehren des Dr. Faustroll (Pataphysiker)‘ geschrieben. Ein exemplarisches Buch. Ein Monument.

… in meinem ganzen Leben haben die Dichter, die ich kannte, die Provokation gehasst oder als unerträglich empfunden. Für sie war sie immer nur eine entsetzliche Wucherung: zufällig, hoffnungslos, sich im Kreis drehend, vor allem unkontrollierbar.

… in meinem ganzen Leben haben sich die Dichter, die ich kannte, weder als Visionäre noch als Propheten betrachtet, sie bezeichneten sich wie ihre griechischen Vorfahren als ,hacedores‘.

… in meinem ganzen Leben haben sich die Dichter, die ich kannte, mit einer Hingabe wie man sie für den Eintritt in eine Religion braucht, für die Literatur eingesetzt. Ohne Haltegriffe. Über nichts als die Leere gebeugt.

Ein ironischer Preis aus der Grauzone

Ich kannte Allen Ginsberg und Andy Warhol… in der Vorgeschichte. Das heißt im Jahr 1959. Wenn er mich sah, lud mich Ginsberg in seinen Verschlag ein. Am selben Abend. Er hat mich mit seinem Freund Pierre empfangen, der nackt war und im Begriff, sich zu entleeren.

In demselben Jahr hat die Fondation Ford sechs europäische Nachwuchsliteraten („die eines Tages Berühmtheit erlange würden“!) dazu eingeladen, die USA kennenzulernen. Trotz dieser Pirouette des Gottes Pan wurde die Fondation auf quasi-magische Art ihrer Aufgabe gerecht. Indem sie Günther Grass für Deutschland, Italo Calvino für Italien, Hugo Claus für Belgien und Tomlinson für England vorschlug. Et tutti quanti. Nur in Bezug auf Spanien haben sie sich getäuscht: denn dafür war ich der glückliche Auserwählte.

Marcel Duchamp realisierte in den USA Étant donnés. Sein gigantisches und entscheidendes Projekt. Dabei findet es sich nur in seinen Heften. Er gab Französischstunden um sein miserables Hotelzimmer bezahlen zu können. Der Grenzen überschreitende Simon Leys musste nach Australien emigrieren. Man Ray war in seinem Pariser Atelier nur durch einen Schirm vor Regen geschützt… Und auch Magritte. Oder Giacometti.

Roland Topor hat sich zum Sterben in ein Wächterhäuschen zurückgezogen. Ionesco hat Jahrzehnte lang unter ähnlichen Umständen gehaust. Beckett hat ein halbes Jahrhundert in der rue des Favorits gelebt. In einer Dienstbotenkammer. Wie fast alle seiner heutigen Kollegen. Wie der Philosoph, der bis ans Ende seiner Tage ein Zehn Quadratmeter-Zimmer mit Simone teilte.

Einmal verborgen, plötzlich – auf unerwartete Weise – nach der ganzen Privation – wird den Verstorbenen schließlich „Ehre“ zuteil. Wie ein ironischer Preis, den sie aus der Grauzone erhalten.

Trotzdem haben die besten unter ihnen unentwegt ihr Leben verändert. Und die Welt. Und sogar die simple politische Geographie. Mit ihren Fraktalen, ihrer Inkompatibilität, ihrem Tohuwabohu.

Keine Zivilisation war je in der Lage, ein solches Ausmaß an Gewissheit zu generieren. Wäre womöglich die Konfusion das ideale Programm, um sich aufrecht zu erhalten? Haben alle Dichter im Schweiße ihrer Undiszipliniertheit gelebt? Zugleich hier und am äußersten Rand?

Ja. Die 'lebenden Dichter' sind es nur im Moment ihres Verborgen-Seins. Definitiv." (Fernando Arrabal)

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Montag, 16. Mai 2016

FERNWIRKUNGEN

WO DIE GEFAHR WÄCHST

Über eine kürzlich erschienene Anthologie neuer griechischer Lyrik
und zwei Gedichte von Anna Griva

Ein Gedicht kann man nicht nacherzählen. Bestenfalls lässt sich der Moment vergegenwärtigen, in dem man darauf gestoßen ist und davon elektrisiert wurde. Die Begegnung mit der 1986 in Athen geborenen Schriftstellerin Anna Griva hatte Ereignischarakter. Der Sturz in ihre Gedichte war zugleich ein sehr persönlicher und zutiefst europäischer Moment. Inmitten einer Welle der Re-Nationalisierung und der allgemeinen Zuspitzung der Lebensverhältnisse wurde eine ferne Stimme hörbar, die man seit jeher zu kennen meint.

Anna Grivas Gedicht 'Silk Pure Silk' (Μετάξι ολομετάξι) versetzt seine Leser unversehens in eine provisorische Athener Behausung. Darin agieren Leute, die jenen aus meinem sozialen Umfeld stark ähneln und die ebenso verzweifelt versuchen, den täglichen Betrieb aufrecht zu erhalten. In Athen läuft es noch grundsätzlicher ab: jeden Moment könnte der Strom abgestellt werden, aus dem Wasserhahn dringen sonderbare Geräusche, das Wasser bleibt aus. In einer dieser Wohnungen kommt es zu einer Interaktion zwischen Mensch und Stubenfliege:

I catch a fly in my hands
the anguish of her wings tickles me
if I squeeze a little she dies
if I slacken she gets away
it‘s best I keep still (…)

It‘s best I keep still. – Innehalten, ins Leere sprechen angesichts einer vagen Gefahr, deren konkrete Ausformungen man noch nicht kennt. Die Leser werden Zeugen der unwillkürlichen Einfühlung in ein panisches Insekt. Dem durchschnittlichen Mitteleuropäer könnte dazu Franz Kafkas Verwandlung einfallen, aber Anna Grivas Mutation ist weniger Raum füllend, weniger dramatisch. Sie ist flüchtig, beiläufig wie fast alles, was man alltäglich tut.

Im Mittelteil des Gedichts kommt es zu zwei Anrufungen. Sie sind an eine biblische und an eine mythologische Frauengestalt gerichtet, an Dorkas/Tabita und eine Mänade.
Dorkas ging als Ikone der unerschöpflichen Warmherzigkeit und Hilfsbereitschaft in die Geschichte, die Apostelgeschichte (9,36) ein: "In Joppe lebte eine Jüngerin namens Tabita, das bedeutet: Gazelle. Sie tat viele gute Werke und gab reichlich Almosen…" Die Mänaden waren aus anderen Hölzern geschnitzt. Sie standen im Nahverhältnis zu Dionysos und begleiteten die ihm gewidmeten Umzüge. Dabei trugen sie Reh- oder Pantherfelle und verfielen häufig in Raserei. Was in ihnen oder um sie herum bebte, war zu stark um ruhig bleiben oder strukturiert sprechen zu können.

Was tun? Die Hand öffnen, sodass die Handfläche für die Fliege zur Startpiste wird, oder die Muskeln zusammenziehen? Die Fliege aus Anna Grivas Gedicht bleibt unbehelligt. Benommen flattert sie los, geradewegs in den nächst größeren Käfig, in das Raumvolumen, das beide, die Fliege und das dichterische Ich, in sich einschließt. Wenn dieses Zimmer eine Faust ist, was wird es/sie tun, sich zusammenziehen oder öffnen? Ungleiche Gefangene teilen eine Ungewissheit… – to decorate together the night‘s inevitable gordle.

Das unvermeidliche Korsett der Nacht. – Die (An-)Verwandlung ist vollzogen. Während sie bei Kafka noch eine singuläre Erscheinung war, die aus der Sicht einer Disziplinargesellschaft beschrieben wurde, handelt es sich hier um blitzartige Mikro-Mutationen im prekären Jetzt. Sie ereignen sich unter kontrollgesellschaftlichen Bedingungen, wo jeder Einzelne in Personalunion als sein eigener Polizist, Ankläger und Richter auftritt und das globale Scheitern willfährig auf das persönliche Schuldkonto verbucht.

*

Karen Van Dyck, Herausgeberin der Anthologie 'Austerity Measures', die auch einige Gedichte von Anna Griva enthält, hat den aktuellen Zustand Griechenlands in einem Essay für The Guardian so zusammengefasst: Hunger, Arbeitslosigkeit, immer weiter gekürzte Pensionen und ruinierte Läden. Strom- und Wasserknappheit haben einen Level erreicht, den man sonst nur aus Kriegsgebieten kennt. Mehr als 27% der Griechen sind beschäftigungslos, 55% der jungen Leute haben das Land verlassen, um im Ausland ein Auskommen zu finden. Im Jahr 2014 wuchsen vier von zehn Kindern in Armut auf: "Die Staatsschulden sind die höchsten in Europa, mehr als 180% des BIP, und die Sparmaßnahmen lassen den Verbleib in der Eurozone ebenso unmöglich erscheinen wie den Ausstieg aus der gemeinsamen Währung. Die Notwendigkeit schneller Antworten wirft die Wählerschaft in politische Extreme. Gebrochene Versprechen und Korruption bringen auf allen Seiten unbegründete Anklagen und Fatalismus hervor."

Griechenland ist ein Modellfall für europäischen Binnenkolonialismus geworden. Jeder Bankrott im Land lässt andernorts die Kassen klingeln. Ein Zehn-Millionen-Menschen-Staat fungiert als Versuchskaninchen, an dem ausgetestet wird, wie weit ein zynisches Wirtschaftssystem gehen kann. Die Generation der Zwanzigjährigen und ihre jüngeren Geschwister müssen sich auf Zukunftslosigkeit einstellen. Das fällt ihnen naturgemäß nicht leicht.

Austerity Measures – Die Maßnahme und das Maßnehmen. An welches Maß will man sich halten? Hier trifft die Unverhältnismäßigkeit der Finanzwirtschaft und ihrer Institutionen auf ein altes Wissen über Proportion und Rhythmus. Die ,Maßnahmen‘ im Titel meinen beides, den Verlauf staatlicher Eingriffe und vor allem die poetischen Strategien, die ihnen entgegen gesetzt werden können: das Versmaß, der Rhythmus, die Vielfalt der Relationen, die sich aus dem Zusammenspiel von Einzelteilen im Bezug auf ein Ganzes ergeben…

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Im Ameisenstaat lässt sich schwerlich denken… – In Anna Grivas Gedicht 'The Ant‘s Lesson' (το μάθημα των μυρμήγκιων) sind es gleichgeschaltete Ameisenverbände, die sich durch den Leser hindurch ihren Weg bahnen. Hier geht es um eine andere Art der Verwandlung, um eine kollektive, massenhafte, scheinbar unausweichliche Tier-Werdung. (Jedes Gedicht von Anna Griva nimmt Bezug auf tierische Mitbewohner.) Es führt in eine Welt, in der es nur noch um das reine Überleben geht; wo alle Menschen aus Dauererschöpfung heraus agieren und keine Ressourcen, wofür auch immer, übrig bleiben. Es ist ein Lebensrhythmus, in dem es keine klärende Leerstelle mehr gibt. Leben unter Bedingungen des Austeritäts-Edikts.

"Tag und Nacht sehe ich von Arbeit zerstörte Menschen. Erschöpfte, verängstigte Menschen. Sieht ganz so aus, als ob man ohne Angst nicht mehr arbeiten könnte. Sieht ganz so aus, als ob man nicht dafür bezahlt würde, dass man sich eine Existenz schafft, sondern dafür, dass man Angst hat…" – So hat es Grivas Schriftstellerkollege Christos Ikonomou ausgedrückt.

Anna Grivas Gedicht endet auf einen Mänaden-Tanz: Wenn man schon nicht denken kann, kommt tanzen am besten. Unter dem fiesen "Gelächter bitterer Verzweiflung" die gesamte verfügbare Restkraft zusammennehmen und spontane Bewegungsskizzen in den Raum zeichnen… – etwas wie Offenheit herstellen…

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Ferne Stimme. – „Ich lauschte ihr, dann fürchtete ich, sie nicht mehr zu vernehmen, die zu mir spricht oder mit sich…“ – Yves Bonnefoy hat diese Stimme, von der sich kaum sagen lässt, ob sie aus dem tiefsten Inneren oder aus weitester Ferne kommt in 'Die gebogenen Planken' (Les planches courbes) als kindliche Kraft und unwillkürlichen Rückgriff auf ein erstes "Umfangen der Welt" gezeigt. Vielleicht ist sie auch nur das Feuer, das in den Augen lodert und das sich nicht durch widrige äußere Umstände abdämpfen lassen will.

Karen Van Dycks Anthologie schärft das Sensorium für leise Gegenkräfte, Gegenentwürfe, die sich in diesen kleinen poetisch-häretischen Verdichtungen aus Sprache manifestieren. Die Beispiele aus der Anthologie sind Kraftspeicher, die ihre Potenziale blitzartig auf die Empfänger übertragen. Aus ihnen hört man die dichterischen Vorfahren sprechen – von Sappho und Alkaios über Konstantinos Kavàfis (Cavafy) bis zu Jenny Mastoraki –, deren je eigener Ton sich mit den Sprechweisen und Geräuschen der wahnwitzigen Krisenwelt des 21. Jahrhunderts vermischt.

Dichtkunst ist immer international. Sie kann nicht anders. Die territoriale Logik bleibt ihr zwangsläufig fremd. Sie ist Rhythmus, groove, der sich nicht an künstlich gezogene Grenzen hält. Die Gegensätze zwischen nah/fern, fremdartig/vertraut etc. hat sie seit jeher unterlaufen. Wer sich mit ihr konfrontiert, macht eine eigentümliche Erfahrung: Menschen in unmittelbarer Nähe, die denselben Reisepass in der Jackentasche tragen und einen Teil ihrer Informationen aus denselben regionalen Medien beziehen, lösen mitunter nur noch Befremden oder ungläubiges Staunen aus. Aber es gibt eben auch diese anderen, zum Teil längst verstorbenen Geister, die einem über raumzeitliche Distanzen hinweg Feuer geben.

Europa ist neu zu erfinden, daran führt kein Weg vorbei. Dieses andere Europa zeichnet sich vorläufig nur in vagen Umrissen ab. Die junge griechisch-europäische Lyrik lässt es diskret anklingen…

Bernhard Kellner

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Griva_Ants_Anfang

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Literatur

Karen Van Dyck, Austerity Measures: The New Greek Poetry, London: Penguin Books, 2016.

Anna Griva, Έτσι είναι τα πουλιά / So Are The Birds. Gedichte; aus dem Griechischen von Yannis Goumas, Athen: Gabrielides, 2015.

Yves Bonnefoy, Die ferne Stimme in: Die gebogenen Planken. Gedichte; aus dem Französischen von Friedhelm Kemp, Stuttgart: Klett-Cotta, 2004.

Christos Ikonomou, Warte nur, es passiert schon was. Erzählungen aus dem heutigen Griechenland; aus dem Griechischen von Birgit Hildebrand, München: C.H. Beck, 2013.

Constantin Cavàfis, Choix de poèmes, traduit par Michel Volkovitch; Athènes: Aiora, 2015.

Donnerstag, 4. Juni 2015

LEBENDIGKEITEN

Bis um ein Uhr früh, heißt es, habe man in der Vollmondnacht bei Kanzlerin Merkel in Berlin über das weitere Schicksal Griechenlands diskutiert. Als erster sei François Hollande aufgebrochen, am längsten geblieben Christine Lagarde. Es hat schon etwas Befremdliches, wenn man zur selben Zeit mitten in Athen am Omonia-Platz sitzt und die neuzeitlichen Schicksalsgötter der Brüsseler Gruppe vor seinem inneren Auge vorüberziehen lässt: Mario Draghi, Jean-Claude Juncker und wie sie alle heißen… – das Europa der Institutionen.

Die Leute am Omonia-Platz haben nicht die Zeit, den nächsten Richterspruch aus Berlin abzuwarten. Die Druckverhältnisse sind enorm. Sogar die Tauben sind hier schlanker als andernorts. Die Bausubstanz verfällt, ehemals belebte Passagen bergen nur noch leere Geschäftslokale aber bieten den Obdachlosen Schutz vor Sonne und Regen. Man versucht, aus schlechten Bedingungen das Beste zu machen. Die Menschen üben sich in der Kunst des Überlebens und verstehen es, der sich ausbreitenden Wüste etwas wie Lebenssaft oder sogar Lebensqualität abzuringen… – das Europa der alltäglichen Schadensbegrenzung.

Die gesamte Stadt ist von einer Dynamik (gr. dynamis: 'Kraft oder Vermögen, eine Veränderung herbeizuführen') erfüllt, die sich ein Big Player in Brüssel oder Berlin nicht einmal in Ansätzen vorstellen kann. Dafür fehlt ihm naturgemäß der Sinn. Und war es nicht genau diese Rest-Lebendigkeit, die den Griechen im medialen Dauer-Bashing vorgeworfen wurde? – „Werdet endlich wie Deutsche!“ Sie sind es, den Göttinnen und Göttern sei Dank, nicht geworden.

Ein paar Schritte in Richtung Nordosten befindet sich Exarchia, das interkulturelle Kraftzentrum der Stadt, ein paar Schritte in Richtung Süden liegt der Syntagma-Platz mit dem Regierungsgebäude; ein paar Meter weiter gerät man bereits in den Sog der Akropolis. An jedem Standort stellt sich dasselbe Gefühl ein: Alles hier möchte blühen aber stößt auf ein Hindernis.

In Berlin wird indessen die große Machtgeste vollzogen. Es gehe um viel, sagt man, bis Freitag müsse Griechenland dreihundert Millionen Euro an den Internationalen Währungsfond (IWF) überwiesen haben; eine Summe die man hier gut gebrauchen könnte, z. B. für soziale oder sozialmedizinische Maßnahmen. Parallel dazu erlebt man in Athen diese unglaubliche Fülle an kleinen, erfinderischen, liebenswürdigen, hilfsbereiten oder witzigen Gesten, die auf bitter-ironische Art verdeutlichen, wie weit sich die Menschen Europas von den Institutionen (oder umgekehrt) entfernt haben.

Athen wird sich nicht unterkriegen lassen. Das Banken-Imperium kann die Lage weiter verschlimmern, zu Fall bringen wird es die Stadt nicht. (Gemäß den Forderungen der Eurogruppe und des IWF müssten neben dem Verkauf oder der Privatisierung der vorhandenen Infrastruktur auch kleine Pensionen weiter geschrumpft werden.) Die europäischen Erbsenzähler sind mächtig, ob sie auch der angewandten Weisheit der Göttin Metis gewachsen sind, wird sich erst zeigen.

Europäischer als man es hier ist, kann man nicht sein. Aber möglicherweise handelt es sich um ein anderes Europa als es die Repräsentanten der Brüsseler Gruppe vorsehen. Dieses andere, tatsächlich offene, improvisierende, im ursprünglichen Sinn demokratische und in tausend Kooperationen sich entfaltende Europa kann nicht mehr erstickt werden…

*

Ein Kompromiss, heißt es, sei in Sicht. Wenn die Information stimmt, wird er nicht nur Griechenland „retten“, sondern auch die Europäische Union. Noch gilt Griechenland als das desolate Haus, für dessen gründliche Sanierung das Geld fehlt. Aber je länger der Schuldenstreit anhält, desto sichtbarer werden auch die Planungsfehler, Baumängel und Risse am 'Haus Europa'…

WASCHZETTEL

Das Getümmel an den Rändern des Wahrnehmungsfeldes:
von den Bildern, Büchern, Gesprächen, Ereignissen, die trotz allem Aufmerksamkeit erregen

HINWEIS

EVA BRUNNER-SZABO (1961-2012)

Personale

kuratiert von alien productions, Alexandra Schantl und Gert Tschögl

24. September bis 29. Oktober 2017

Schloss Wolkersdorf,
Galerie 1, 2 + Salon

Samstag, Sonntag, Feiertag 14–18 Uhr

In Kooperation mit Landessammlung NÖ, Medienwerkstatt Wien und Kunsttankstelle Ottakring

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation zu Eva Brunner-Szabos Werk

BILDFELD

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DAUMENORAKEL

In der Poesie ist immer Krieg. Nur in Epochen gesellschatlichen Idiotismus tritt Friede oder Waffenruhe ein. Wortstammführer rüsten wie Heerführer zum wechselseitigen Kampf. Wortwurzeln bekriegen sich in der Dunkelheit, jagen sich gegenseitig die Nahrung ab und die Säfte der Erde. (…)

Ossip Mandelstam, Notizen über Poesie (1923)

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